16.07.2019

Entscheidung in Drucksituationen: Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich informierte aus erster Hand

50 Einkaufs- und Supply Chain Manager waren der Einladung der BME-Region Hannover zum Sommerfest in den Peppermint Pavillon gefolgt, um von Lutz Michael Fröhlich, Leiter der Elite-Schiedsrichter in Deutschland, exklusive Details über das Schiedsrichterwesen zu erfahren.

Entscheidungen treffen und diese verantworten: Einkaufs- und Supply Chain Manager kennen diese Situation zur Genüge. Bundesliga-Schiedsrichter kommen pro Partie gar rund 200-mal in Situationen, in denen es gilt, sekundenschnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Betrachtet man sich hierbei die Rahmenbedingungen – die Partien der 1. Fußball-Bundesliga werden teilweise von über 70.000 Fans live im Stadion und Millionen von Zuschauern an den Fernsehschirmen verfolgt – wird deutlich, in welcher Drucksituation sich Deutschlands Top-Schiedsrichter Woche für Woche befinden.

Ex-Bundesliga-Referee Lutz Michael Fröhlich, Leiter der Elite-Schiedsrichter beim Deutschen Fußball-Bund, erläuterte im Rahmen des Sommerfests der BME-Region Hannover den rund 50 anwesenden Einkaufs- und Supply Chain Manager im Restaurant „Funky Kitchen", wie Schiedsrichter Entscheidungen in Drucksituationen zielsicher treffen können und über welche Eigenschaften die Referees grundsätzlich verfügen müssen, um als Profischiedsrichter ihren Mann zu stehen.

„Derzeit gibt es in Deutschland inklusive des Junioren- und Frauen-Bereichs insgesamt rund 70000 Schiedsrichter. Unsere Schiedsrichter-Elite besteht allerdings lediglich aus 20 Referees. Dieser elitäre Kreis darf auch Spiele als Hauptschiedsrichter in der 1. Fußball-Bundesliga der Herren leiten", unterstrich Fröhlich in seinem Vortrag. Das Jahressalär der Top-Referees beziffere sich zwischen 59.000 und 79.000 Euro. Jeder Bundesliga-Einsatz würde zudem zusätzlich mit 5000 Euro vergütet.

Durchschnittlich befänden sich unter den 200 Schiedsrichter-Entscheidungen pro Spiel auch drei bis fünf besonders spielrelevante Situationen wie Elfmeter, torrelevante Abseitsstellungen oder Platzverweise. Wie intensiv die Kommunikation hierbei mit den Videos-Referees in Köln ausfalle, läge letztlich auch im Ermessen des einzelnen Schiedsrichters.

Des Weiteren würden die Schiedsrichter von den Schiedsrichter-Beobachtern auf der Tribüne bei jedem Spiel detaillierte Bewertungen erhalten. Die Bewertungskriterien umfassten u.a. Aspekte wie die Regelsicherheit bei den getroffenen Entscheidungen, die Persönlichkeit auf dem Spielfeld sowie klar überprüfbare Leistungsfakten wie die Fitnesswerte. „Ein Schiedsrichter läuft durchschnittlich zwischen neun bis dreizehn Kilometer pro Spiel", betonte der Referent. Deshalb seien für die Schiedsrichter-Gilde auch spezielle Lauf-Trainings notwendig, die zum Beispiel das Rückwärtslaufen umfassen. Bei den Schiedsrichter-Assistenten seien läuferische Komponenten wie die Seitenbewegung zu berücksichtigen.

Fröhlich: „ Zur Verbesserung der Spielleitung führen wir gezielt interne Coachings mit unseren Schiedsrichtern durch." Jedes Spiel würde im Abstand von zwei Tagen mit den Referees intensiv durchgesprochen. Ziel sei es dabei nicht, Fehler anzuprangern, sondern die strittigen Situationen gemeinsam zu analysieren und so Verbesserungspotenziale auszuschöpfen."

Auch die Körpersprache der Spieler und deren Laufwege und Laufverhalten seien Bestandteil der Besprechung. „Bei Rudelbildungen auf dem Spielfeld solle der Haupt-Schiedsrichter nicht aktiv eingreifen und schlichten, sondern mit hinreichendem Abstand das Rudel beobachten", resümierte Fröhlich.

Hintergrund
Lutz Michael Fröhlich begann 1985 seine Karriere als DFB-Schiedsrichter. Neben zehn A-Länderspielen und 14 Europapokalspielen leitete Fröhlich 1994 auch 16 Spiele in der japanischen J League sowie von 2002 bis 2005 zehn Spiele in der südkoreanischen K League. Hier leistete er – im Rahmen einer Kooperation des DFB mit den beiden asiatischen Verbänden – Pionierarbeit im Schiedsrichterbereich. Seine aktive Laufbahn als Bundesliga-Schiedsrichter beendete er nach genau 200 Erstligaspielen. Ein Höhepunkt seiner Karriere war die Leitung des DFB-Pokalfinals 2003. 2005 erhielt er den Fairplay-Preis des Verbandes Deutscher Sportjournalisten.
Heute ist Lutz Michael Fröhlich Leiter der Elite-Schiedsrichter beim DFB und zeichnet damit für alle Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten der drei Profiligen in Deutschland verantwortlich.

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Ansprechpartner

Ingo F. Schreiber Vorstandsmitglied, Vorsitzender, Delegierter